Mittwoch, 23. Oktober 2013

Der Ballon d'Or als logische Konsequenz.


VON JAWIN SCHELL:

Ein König? Ein König sieht anders aus. Denn es sind die Narben die einem an Franck Ribery als Erstes auffallen. Narben wie die eines alten Gladiators, eines kampferprobten Straßenhundes. Mit allen Wassern gewaschen, aggressiv und listig. 
Natürlich sind es keine verwachsenen Kampfblessuren, Ribery wurde als Kind in einen Autounfall  verwickelt.

Und trotzdem ist die Metapher vom Straßenhund, vom Underdog gar nicht so falsch. Die Narben erzählen seine Geschichte. 

Die Geschichte eines Mannes der ganz unten war, sich freikämpfte und  zum König Europas aufschwang. Eines Mannes der als Junge wegen seiner Schnittverletzungen im Gesicht gehänselt wurde und nur beim Fußball wirklich glücklich war, der aus einem sozial schwachen Elternhaus kam und das Internat des OSC Lille wegen schlechter Schulnoten verlassen musste. Eines Mannes der mit 20 Jahren trotz überragendem Talent unterklassig spielte, noch auf dem Bau malochen musste und erst ein Jahr später seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Kurzum eines Mannes, der die Höhen und Täler die das Leben zu bieten hat bereits durchschritten hat. 
Er ist nicht den geraden Weg gegangen. Man sieht es in seinem Spiel. Es ist geprägt von Kraft, Wille und Wut. Denn Ribery überläuft seine Gegner nicht, er rennt sie in Grund und Boden, er kämpft um jeden Ball, nicht immer mit legalen Mitteln.

Manchmal schlägt er über die Stränge, hat nicht die volle Kontrolle über sich. 
Er ist und bleibt ein Hitzkopf, ein Junge von der Straße. Seine Gegenspieler wissen das, er wird oft gefoult, stetig provoziert. Ribery hat gelernt damit umzugehen, doch ab und zu schlagen die alten Beißreflexe durch. Der Außenstürmer ist aber mehr als ein Kämpfer von der Straße, kann durchaus elegant sein, denn er ist ein technisch hoch veranlagter Fußballer. 
Doch es ist vor allem die pure Wucht, das Tempo das ihn für den FC Bayern so unverzichtbar macht. Der Franzose scheint immer unter Strom zu stehen. Er will den Erfolg, der ihm so lange verwehrt bliebt, um jeden Preis. Er weiß er steht ihm zu. 

Worauf er jahrelang warten musste, hat sich für ihn in dieser Saison erfüllt. Nationale Meisterschaften und Pokale hatte er schon massig gewonnen, doch es war der Sieg im Champions League Finale, der ihn endgültig in die Beletage des internationalen Fußballs hievte. 
Er verwies bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres die portugiesische Tormaschine Cristiano Ronaldo und den Dauer-Abonnenten auf den Sieg, Lionel Messi, auf die Plätze. Auch in Frankreich, wo er lange ungeliebt war, wo man ihm diverse Fehltritte nicht verzieh und die Fußstapfen des einzigartigen Zinedine Zidane für zu groß gehalten wurden, dominiert er das Spiel der Nationalmannschaft, ist regelmäßig wichtigster Mann. Seine Statistiken in der Bundesliga (138 Scorerpunkte in 164 Spielen) sind sowieso unantastbar. 

Frank Ribery scheint seinen Platz im Fußball und im Leben gefunden zu haben. Man merkt ihm diese Sicherheit an. Der quirlige Franzose war im letzen Jahr der prägende Fußballer weltweit, weder Messi noch Ronaldo konnten an seine Form heranreichen. Es war eine Saison ohne Fehl und Tadel. 
Der beste Spieler Europas ist „ König Franck“ nun schon. Im Januar 2014 wird der FIFA Ballon d’Or, die Auszeichnung zum Weltfußballer des Jahres, vergeben werden. 
Vielleicht wird Ribery dann vom „König Europas“ zum „ Herrscher der Welt“.
 Es würde ihm zustehen. Er hat es sich verdient. 

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